Oomph! erobern den Norden
Cuxhaven Die Braunschweiger Band stellt auf Festivals ihr neues Album vor, bevor sie auf Clubtour geht. Gestern rockten Oomph das Deichbrand-Festival Cuxhaven.
Das hätte man von den harten Jungs von Oomph nicht erwartet: Dass sie mehrere tausend Rockfans zum Unterhaken und Schunkeln bringen. So lief das aber gestern Abend auf dem Deichbrand-Festival bei Cuxhaven, als Oomph den Song „Seemannsrose“ anstimmten. Eine Hafenromantik-Verballhornung vom aktuellen Album „Des Wahnsinns fette Beute“.
Auf ihrer ersten Studio-Veröffentlichung nach vier Jahren schlagen Oomph oft einen ironischen Ton an und testen nun auf Festivals, wie die neue Facette ankommt. Das Trio um den charismatischen Sänger Dero hat auch den Einsatz von Computern und Sampler-Technik auf der Bühne reduziert und sich um vier Gastmusiker verstärkt. „Wir können nun alles live spielen und stärker auf das Publikum reagieren“, sagt uns Gitarrist Crap vor der Show gestern Abend.
Die Braunschweiger spielen als Co-Headliner fast zur besten Sendezeit, von 21 bis 22 Uhr, direkt vor der Hauptgruppe, den Beatsteaks aus Berlin. 23 Jahre nach der Bandgründung, zehn Jahre nach ihrem Hit „Augen auf“, müssen sich Oomph die Begeisterung der Menge erst erarbeiten. Die Bands auf dem Deichbrand-Festival, von Clueso bis zu Deichkind, decken eine breite Palette von Stilrichtungen ab, die 25.000 Besucher sind kein typisches Oomph-Publikum.
Das Septett tritt geschlossen in weißen Matrosenanzügen auf, Sänger Dero ist grell geschminkt, dunkel die Augen, ein bizarres rotes Muster um den Mund. Der Klang ist anfangs mäßig, ein typisches Festival-Phänomen, wo keine Zeit für gründliche Soundchecks ist. Doch Oomph spielen sich in Fahrt, setzen mutig vor allem auf Nummern ihres neuen Albums, von „Unzerstörbar“ über die Castingstar-Parodie „Bis der Spiegel zerbricht“ bis hin zu „Kleinstadtboy“: eine Satire auf schwulenfeindliche Mileus, die den Disko-Hit „Smalltownboy“ von Bronski-Beat zitiert.
Die Disko-Metal-Mischung kommt auf dem Deichbrand besonders gut an. Noch ein paar Klassiker wie „Augen auf“ und „Gott ist ein Popstar“ hinterhergeschoben, und Dero und Co haben die Menge offensiv und ohne Anbiedern erobert. Ein starker Auftritt. Die Braunschweiger scheinen gerüstet für ihre Clubtour im Herbst, die sie am 20. Oktober im Wolfsburger Hallenbad beenden. Das Braunschweiger Konzert tags zuvor ist bereits ausverkauft.
In der kommenden Woche planen wir einen Live-Chat mit Oomph für alle Leser. Den genauen Termin geben wir in Kürze bekannt.
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