Gefährliche Liebschaft am Wlefenhof
Celle Der für sein Harfenagnes-Stück bekannte Peter Schanz hat für das Schlosstheater Celle die traurige Geschichte der „Prinzessin von Zelle“ dramatisiert.
Drecksnest. Gestüts- und Knaststadt. Peter Schanz schenkt den Cellern nichts. Seine Dramatisierung des Lebens der Sophie Dorothea, Prinzessin von Celle, zeigt die Konkurrenz unter den welfischen Brüdern in Hannover, Celle und Wolfenbüttel in jener herzlich-derben Abneigung, die auch heute noch vielfach regiert.
Da wird die französische Frau des Celler Herzogs von den Hannoveranern als „hugenuttisches“ Verhältnis tituliert, der hannoversche Erbprinz von den Cellern als „Schweineschnauze“. Trotzdem soll Sophie ihn heiraten und dafür auf den schon versprochenen Wolfenbütteler Herzogssohn verzichten. Denn Hannover ist die bessere Partie, schon winkt die Kurwürde.
Gefühle spielen da selbstverständlich keine Rolle. Umso mehr in Schanz’ Stück. Und umso mehr in der wunderbaren Interpretation der Prinzessin durch Sibille Helfenberger. Wie sie da so jugendfrisch lebensfroh hereinstürmt, wie sie langsam begreifen muss, dass sie als Frau keine Rechte hat in diesem Geschacher, später frechen Ton anschlägt. Die Kinder werden ihr genommen, sie gehören dem Staat. Der Gatte hat eine Mätresse, für sie wäre ein Verhältnis ein „tödlicher Irrtum“, belehrt die Schwiegermutter.
Wozu dann das ganze Leben? Im Karneval passiert’s: Sie trifft ihre große Liebe, Philipp von Königsmarck. Rührend zu sehen, wie vielschichtig Helfenberger und der stattlich-markante Marc Vinzing diese Beziehung in Briefen und flüchtigen Begegnungen gestalten – erotische Sehnsucht, Launen, Treueschwüre.
Jürgen Kerns Inszenierung setzt auf barocke Drehwände, hinter denen die Figuren lauern. Man ist stets überwacht bei Hofe. Der erotische Briefwechsel fliegt auf, Königsmarck wird ermordet, Sophie schuldig geschieden und nach Ahlden verbannt. 32 Jahre, bis zum Tod.
Schanz bricht die traurige Geschichte mit dem Kniff eines Buffopaars auf: Mit handfestem Ton sorgen Christina Rohde als Kammerfrau und „Kriegsbeute“ Simon Ahlborn im Türksprech für Kommentare aus heutiger Sicht: „Guckst du“, sagt er, wenn die Herzöge sich eine Orgie gönnen, Zwangsheirat nennt er die dynastische Heiratspolitik. So hat das Historien-Stück Humor, Rührung und kritischen Reflex, gute Unterhaltung für Welfenländler.
Bis 17. Juni, täglich 20 Uhr. Karten: (05141) 9 05 08 75.

