Organisierte Kriminalität in der Asse
WolfenbüttelLeserstimmen zum „Assemüll strahlt wohl stärker als angegeben“ vom 13. Juli und weiteren Beiträgen zu dem Atom-Problem:
Radioaktives Inventar wird „offiziell“ als zu niedrig deklariert, unter dem „Deckmantel der Forschung“, also verdeckt oder heimlich, wird „bewusst gegen Annahmebedingungen verstoßen“, Mengen von Plutonium und Tritium werden als zu gering angesetzt. Plutonium ist einer der giftigsten und gefährlichsten Stoffe der Welt. Trotz der bekannten Gefahr des Absaufens gibt es hierzu keine Sicherheitsanalyse, „beruhigende Aussagen“ entbehrten wissenschaftlicher Grundlagen, waren also aus der Luft gegriffen.
Und dann der Hammer: Für all diese haarsträubenden Fehler, Vertuschungen und Lügen soll letztlich niemand verantwortlich sein, denn „ein konkretes Fehlverhalten einzelner Akteure ließ sich nicht feststellen“!?
Das ist doch wohl unglaublich, denn jedes Amt, jede öffentliche Einrichtung, jede Forschungseinrichtung hat immer eine Leitung, und diese ist jeweils für Fehler verantwortlich zu machen, die in ihrer Zeit vorgekommen sind; selbst dann, wenn der Betreffende nicht direkt beteiligt war. Es wird doch wohl noch festzustellen sein, wer das jeweils gewesen ist! Also ran an diese Herrschaften!
Harald Grütz, Wolfenbüttel
Asseschacht besser verschließen
Das Helmholtz-Zentrum, ein renommiertes und international hoch angesehenes Forschungsinstitut, hat schließlich über 25 Jahre ein Konzept entwickelt, das hieß:“Sichere Schließung der Asse“. Kernpunkt war die maximal mögliche Verfüllung mit Materialgrus, nach Sedimentation die Verfüllung der verbliebenen Hohlräume mit Flüssigbeton („Firstverfüllung“) und schließlich Flutung mit konzentrierter Magnesiumsalzlösung, damit kein Oberflächenwasser mehr eintreten und weitere oder neue Hohlräume herauslösen kann. Die mit Salz zugedeckten Fässer - und das sind die meisten von 126.000 Stück - sind zwischenzeitlich weitgehend hohlraumfrei durch das Konvergenzverhalten des Salzes fest eingeschlossen, zerquetscht und wohl auch gerostet. Sie müssten mit Kompressoren aus dem Fels herausgeschlagen werden, ein nicht vorstellbares Szenario, auch unter Strahlenschutzaspekt. Den so entstehenden radioaktiven Abraum will auch niemand haben, am wenigsten die Anwohner der Asse, aber auch nicht die Thuner Bürger.
Dabei enthält die Asse nur 1 Prozent der Radioaktivität, die in Schacht Konrad geplant ist, 0,3 Prozent (3 Promille) der bei Eckert und Ziegler gelagerten Substanzen und schließlich nur 0,1 Prozent (1 Promille) eines Castortransportes.
Die Kosten bei sicherer Schließung wären um über 5 Milliarden (Milliarden!) Euro geringer, als für die Rückholung. Von dem Geld könnte man zunächst die Heide-Autobahn nach Hamburg fertigbauen, das Speere-Museum zum touristisch attraktiven höchsten Turm der Welt umbauen, auch die Regio-Bahn starten, sonst viel Gutes tun und zusätzlich schließlich jedem Bürger (Mann, Frau und Kind) im Umkreis von 5 Kilometern von der Asse eine „Entschädigung“ von 200.000 Euro bar auf die Hand zahlen. Mit einem Radius von 10 Kilometer wären es immerhin noch 50.000 Euro pro Person.
Manfred Wolfrum, Dettum
Alles nur Theater?
Davon abgesehen, dass man das Wort Asse kaum noch hören oder lesen mag, ist es viel schlimmer, dass bei den sowieso schon verunsicherten Menschen der Region Panik und Ängste geschürt werden. Man könnte meinen, das sei Absicht.
Schon die Überschrift „Asse strahlt wohl ...“ setzt doch schon mal Unkenntnis voraus. Woher weiß der Schreiber des Artikels, dass alle beruhigenden Ansagen wissenschaftlich nicht begründet waren?
Auch in den Anfangsjahren des Forschungsbetriebes musste jeder Mitarbeiter einen Stabdosimeter und Filmdosimeter tragen während der Arbeit. Die Stabdosimeter wurden auf der Asse ausgewertet und die Filmdosimeter an die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung geschickt – und zwar immer ohne Befunde. Alles nur Theater?
Wenn Besuchergruppen unter Tage fuhren, bekam jedes Mal ein Gruppenmitglied einen Stabdosimeter. So viel zu dem Schutz der Mitarbeiter, den es ja angeblich nicht gab.
Ich weiß das so genau, weil mein Mann jahrelang auf der Asse gearbeitet hat.
Hanna Graupner, Wolfenbüttel
Auf Betrug hinweisen
Der Briefschreiber hat recht, wenn er feststellt, das Thema Asse könne leicht zur Massenhysterie ausarten, weil die tatsächlichen Verhältnisse aus den Augen verloren werden. Es ist das gute Recht der Betroffenen, immer wieder auf den stattgefundenen Betrug hinzuweisen und nicht eher Ruhe zu geben, bis die Sache behoben ist. Für viel Geld des Steuerzahlers zwar, und die Verursacher kommen ungeschoren davon, aber es wird gehen.
Noch ist es aber so, dass der Atommüll tief in der Erde schlummert und die Gegend nicht bereits kontaminiert ist. Der Sinn aller Klagen ist, dort darf der Müll nicht bleiben, wenn die Asse das bleiben soll, was sie ist, eines der schönsten Stücke Erde im Braunschweiger Land.
Konrad Gorzitze, Braunschweig
