Zwölfjährige in der Landesaufnahmebehörde belästigt

Braunschweig  Angehörige und Landsleute wollten sich am Täter rächen. Ein massives Polizeiaufgebot musste den Streit schlichten.

Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in Braunschweig.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in Braunschweig. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Besatzungen von zwölf Funkstreifenwagen waren nötig, um bereits am Freitagabend Auseinandersetzungen in der Landesaufnahmebehörde für Asylsuchende (LAB) in der Boeselagerstraße zu schlichten, teilte die Polizei am Montag mit. 26 eingesetzten Beamten und dem Sicherheitsdienst der LAB gelang es, Selbstjustiz von Bewohnern nach einer mutmaßlichen sexuellen Belästigung auf dem Gelände zu verhindern.

Vorausgegangen war laut Polizei ein Vorfall am späten Donnerstagabend, bei dem ein zwölfjähriges Mädchen aus Serbien von einem 26-jährigen Sudanesen angefasst und zu einem Kuss aufgefordert worden sein soll. Zu diesem Vorgang ermittelt die Polizei, gegen den 26-Jährigen wurde Strafanzeige wegen des Verdachts auf sexuelle Belästigung gestellt.

Am Freitagabend erkannte die Zwölfjährige dann den mutmaßlichen Täter wieder und informierte eine Sicherheitsmitarbeiterin und ihren Vater. Der mobilisierte offenbar Angehörige und Landsleute, um den Beschuldigten zur Rechenschaft zu ziehen, wie es heißt. Laut Polizei kamen schließlich 80 bis 100 Menschen zusammen. Der Sicherheitsdienst schirmte den Mann bis zum Eintreffen der Polizei ab.

„Unsere Beamten mussten Selbstjustiz verhindern. Die aufgebrachte Menge wollte sich den 26-Jährigen vorknöpfen. Ihr Zorn richtete sich dann auch gegen die eingesetzten Beamten, die den 26-Jährigen mit dem Einsatz von körperlicher Gewalt und Pfefferspray vor der aufgebrachten Menge schützten“, sagte Polizeisprecher Joachim Grande gegenüber unserer Zeitung.

Am Ende sei es den Polizeibeamten gelungen, den 26-Jährigen durch einen Hintereingang zu schleusen und ihn mit einem Zivilfahrzeug vom Gelände zu bringen. Erst dann beruhigte sich offenbar die Lage. Der 26-jährige Beschuldigte wurde erkennungsdienstlich behandelt und in eine Unterkunft in einer anderen Stadt verlegt. Die Ermittlungen dauern an, so die Polizei. In dem Einsatz wurde ein Beamter leicht verletzt. Ermittelt wird auch gegen Landsleute des Mädchens, so wegen Widerstandes und Beleidigung.

In der Landesaufnahmebehörde in Kralenriede sind, wie berichtet, derzeit rund 500 Flüchtlinge überwiegend aus Südosteuropa untergebracht. Bis zu 750 Menschen können dort aufgenommen werden.

Laut Aussagen der Polizei ist die LAB in Kralenriede kein Kriminalitätsschwerpunkt. Insgesamt habe sich die Lage in der Boeselagerstraße beruhigt.nos.

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